#Olltopie

Ich arbeite an einem Kunstprojekt, das mir erlauben soll, meine verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen, und über das, was mich in den letzten zehn Jahren am meisten beschäftigt hat, anders zu reden. Soweit die Theorie.

Die Gegenwart

Praktisch hat es vor ein paar Wochen mit meinem öffentlichen Spinnen vor dem Heimatmuseum angefangen.

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Spinnen ist einfach schön. Schön einfach. Menschen freuen sich, wenn sie jemand an einem Spinnrad arbeiten sehen. Es gibt kaum etwas anderes, was man in der Öffentlichkeit machen könnte, das so viele Leute in allen Altersgruppen zum Lächeln bringt. Bis jetzt habe ich zwei Tage dort vor dem Museum gesessen. Ein Resultat davon ist, dass ich den Schal wieder aufgetrennt habe und jetzt einen größeren, dreieckigen stricke.

Da ist doch mehr Wind als ich erwartet habe.

Außer dem Schal arbeite ich jetzt an einem Namen für das Projekt. Eine Möglichkeit ist #olltopie. Oll ist plattdeutsch für alt, plus Utopie. Oll funktioniert in ganz Deutschland, hoffe ich, das muss ich noch prüfen.

Utopie ist eine idealisierte Zukunftsvorstellung, und Olltopie ist eine idealisierte Zukunftsvorstellung von schrulligen alten Leuten. Das spielt auf das Spinnrad an, aber noch viel mehr hat es etwas mit meiner Versessenheit auf Hashtags zu tun, auf echten Austausch online, auf eine vernetzte Community, auf die Parallelität von online und realer Welt und was wir damit an Lebensqualität gewinnen könnten. Leuten von hier, auch jungen Leuten, ist das alles ziemlich egal. Whatsapp ist alles.

In vielen Zukunftsszenarien von sehr intelligenten Akademikern wird angenommen, dass wir einfach automatisch besser darin werden, durch neue Technologie einander auch virtuell nah zu sein, miteinander auch ohne persönliche Treffen gut zu arbeiten. Dazu muss man etwas von sich mitteilen, sonst gibt es kein Vertrauen. All das kann man aber nicht, wenn man es nie gelernt hat. Das können auch die jungen Leute nicht, wenn ihre Vorbilder nur Influencer sind. Wir können nicht einfach annehmen, dass junge Leute besser darin werden, Technologie zum Guten zu nutzen – aber darüber habe ich schon so viel gesagt.

Deshalb ja dieses Kunstprojekt.

Ich werde anfangen, den Hashtag beim Spinnen physisch neben mir aufzustellen. Dann, wenn ich ihn eine Weile ausprobiert habe und er mir immer noch gefällt, auch Visitenkarten drucken.

Die Emotionen, die nur ein Spinntag hervorruft, sind enorm. Wenn wir nur einen kleinen Teil davon in die Parallelwelt, die virtuelle Welt, bringen könnten, würden sie weiter wachsen. Und dann kann ich zeigen, was ich mit vernetzter online Community meine, statt nur darüber zu reden. Was anders ist, wenn man echte Verbindungen schafft. Und darüber lachen, weil der Hashtag auch nicht so ganz ernst ist. Mir ist das alles ernst, aber ich fühle, dass ich durch Verbissenheit gar nichts erreiche.

Die Zukunft

Die Resultate des Spinnens selbst, die Garne, werden physische Objekte, die ausgestellt werden können wie gewöhnliche Kunst, die berührt werden können, und die auf sanfte Weise – Wolle ist eben doch weich – durch Technologie mit menschlichen Gefühlen wechselwirken. Das wird dann wieder eine Chance, mit einer der neuesten digitalen Technologien, Robotern, zu interagieren, und über unsere Ängste anders zu denken.

Digitalisierung ist nicht Automatisierung. Unsere Menschlichkeit soll die digitale Welt formen. Dazu müssen wir etwas tun.

 

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