„Digital Natives“ sind nicht die Lösung

Am 22. März gab es die Frühjahrstagung „Digitale Kompetenzen“.

Mit der Motivation, mich vielleicht doch irgendwie hier in dieser neuen Umgebung mit meinen Erfahrungen aus der Londoner digitalen Szene einzubringen, habe ich die Chance genutzt und mir das veröffentlichte Video angeschaut.

Was für eine Möglichkeit, endlich zu verstehen, warum das fruchtbare Vernetzen online, so wie ich das von den Denkern und Machern der digitalen Welt kenne, hier nicht gang und gäbe ist.

Natürlich verstehe ich, dass das Ziel dieser Veranstaltungen hauptsächlich der Medienschutz ist, und deshalb das positive, persönliche, proaktive, produktive Verhalten online weniger im Vordergrund steht. Viele der Sprecher haben sich ausführlich mit dem Thema Facebook und Cambridge Analytica beschäftigt. Der Landesbeauftragte für Datenschutz MV sagte, dass er schon vor einem Jahr von den Problemen wusste.

Ich habe vor drei Jahren in meinem Buch geschrieben, dass Facebook weniger Vertrauen verdient als Twitter, weil Twitter uns durch seine Durchsichtigkeit und Offenheit dazu erzieht, wie verantwortungsvolle Erwachsene mit den Informationen, die wir der Außenwelt geben, umzugehen und Facebook genau das Gegenteil tut – immer mehr Daten aus uns saugt, als wir ihm bewusst geben würden. Natürlich eignet es sich auch nicht halb so gut wie Twitter für Events und die Entwicklung eines starken professionellen Netzwerkes. Aber das geht ja wieder in die positive, produktive Richtung.

Trotzdem: Eine Konferenz, die sich mit Datensicherheit und Medienkompetenzen beschäftigt, sollte doch eigentlich eine Twitterpräsenz auf allen Ebenen enthusiastisch begrüßen und bewerben!

Ich weiß, dass Organisationen in MV ganz von oben Twitter oft unumschränkt ablehnen. Das erklärt aber trotzdem noch nicht, warum es in einem Event über digitale Kompetenzen keine einzige Erwähnung findet – selbst wenn die Veranstalter aus irgendeinem Grunde die Wahl getroffen haben, keinen Hashtag anzubieten und so die Chance zu verpassen, den Mitgliedern die perfekte Möglichkeit zu geben, sich nachhaltig online zu vernetzen.

Ich weiß auch, dass Twitter nicht die perfekte Antwort auf alle Fragen ist. Aber wieso sind sich bei solch einer Tagung stillschweigend alle einig, dass das zweitgrößte soziale Netzwerk nicht existiert?

Ist die Antwort vielleicht dass man schon so viel über das schlimme Internet gehört hat, dass man lieber gar nichts online stellt? Das wäre nur möglich, wenn man den Rest der Welt und die Anstrengungen anderer völlig ignoriert. Was man ja leicht machen kann. Aber nein, es wäre wirklich die unreifste Reaktion, zu sagen: Ja, alle auf der ganzen Welt vernetzen sich, aber die sind alle doof; wir, das Land Mecklenburg-Vorpommern, wir wissen es besser.

Ist die Antwort, dass irgendwann in der Vergangenheit eine Studie gemacht wurde, dass Twitter hierzulande einfach nicht angenommen wird und man sich seitdem einfach stillschweigend darauf einigt, dass es nicht existiert? Das wäre eine Antwort, wenn wir Medienschaffende im Sinne von Werbung wären. Aber hier geht es um ein starkes Netzwerk unter den Teilnehmern selbst, die alle etwas beizutragen haben, und Kollegen im In- und Ausland. Genau diese Art von Diskussion über genau diese Themen gibt es gerade überall und Twitter ist die perfekte Möglichkeit, sich zu vernetzen. Es ist also egal ob es ein Publikum in MV gibt oder nicht.

Das nicht die Antwort sein. Vielleicht fehlt es einfach an Expertise?

Oder, anders gesagt: Verlässt man sich bei Fragen über das, was wir selbst online machen, zu sehr auf die „Digital Natives“? Das ist ein Begriff, der tatsächlich mehrmals in der Konferenz völlig unkritisch Erwähnung fand. Das Konzept „Digital Natives – Digital Immigrants“ wird in den Netzwerken, mit denen ich vertraut bin, schon seit Jahren nicht mehr als nützlich angesehen (1, 2), weil junge Menschen nicht automatisch alles besser können, und selbst wenn junge Menschen es besser können, ist ihr Wissen immer noch nicht relevant dafür, wie und wozu Erwachsene Technologie nutzen.

Wenn soziale Netzwerke auf Selfies und Influencers reduziert werden, sind sie ganz schnell irrelevant für Erwachsene. Dass ein Blog etwas anderes sein kann, als eine reine Verkaufsplattform, und es auch ursprünglich einmal war, bevor der Begriff „Influencer“ beschrieb, wie man das Internet zum Geldmachen benutzt, geht völlig unter.  Wenn wir den Erwachsenen, die diese Erfahrungen haben, nicht zuhören, weil die Kinder ja alles besser können, verpassen wir viel.

Ich kenne viele Menschen von 40 bis 70, die in diesem „Digital Natives – Digital Immigrants“ Konzept nie als Natives gelten würden, die aber absolut eine Inspiration für ein gutes, produktives Online-Leben sind.

Damit dieser Post nicht unendlich weitergeht, hier ist wie eine Tagung wie diese mit einem Hashtag auf Twitter anders laufen und an Substanz und Relevanz gewinnen könnte.

  • Die Veranstalter sind sich bewusst, dass nicht alle Teilnehmer auf Twitter aktiv sind oder wissen, wie es funktioniert. Allerdings sind Events auch die beste Möglichkeit, den Nutzen von Twitter zu demonstrieren. Deshalb wird der Hashtag nicht nur auf allen Dokumenten und der Website prominent gezeigt, sondern ganz am Anfang der Konferenz eine Einleitung gegeben, wie und warum er genutzt werden kann, zur Konferenz beizutragen und sich mit anderen Teilnehmern zu vernetzen.
  • Während der Konferenz wird eine Twitterwall eingerichtet. Tweets mit dem Hashtag werden prominent in der Halle gezeigt, auf Bildschirmen oder mit Projektoren.
  • Das Thema wird tiefer behandelt, wenn man sich weiter darüber austauschen kann als durch 10 Minuten Sprache und 1 Frage.
  • Man kann sich und seine Organisation, sein Produkt oder seinen Beitrag zum Thema besser und mit mehr Tiefe darstellen als durch einen 30 Sekunden „Pitch“ an einem Ausstellungsstand.
  • Nach dem Event kann man sich durch längere Posts weiter austauschen.
  • Man kann so weiter in Kontakt bleiben. Twitter bietet die Möglichkeit, mit mehr Menschen besser verbunden zu sein. Diese Verbindungen basieren auf Substanz, statt Äußerlichkeiten.
  • Wenn man nach dem Event kleinere, private Netzwerke bauen will, geht das auch am besten, wenn Leute davon erfahren.
  • Dadurch, dass Teilnehmer über die Konferenz online erwähnen, ist die Reichweite ihrer Themen um ein Vielfaches verstärkt, und Kompetenzen außerhalb der physisch Anwesenden können eingeholt werden. Wenn zum Beispiel eine Rednerin, die Chief Digital Officer der Universität Rostock ist und damit die wohl höchste Instanz für Digitalisierung in MV, sagt, dass „Apps jetzt gerade das Wichtigste sind“, kann das zumindest debattiert werden, als einfach so im Raum zu stehen.
  • Ein anderer Vorteil der größeren Reichweite ist auch, dass man sich live und direkt mit anderen verbinden kann, die die gleichen Fragen in anderen Bundesländern zu beantworten versuchen.
  • Und ganz schlussendlich: Wenn Twitter aus Gründen der Datensicherheit nicht angenommen werden kann, obwohl alle Daten dort voll unter unserer Kontrolle stehen, kann man sich trotzdem mit dem Hashtag auf Twitter vernetzen und dann auf private Netzwerke wechseln. Ich sehe nichts was andeutet, dass sich irgendwo vernetzt wird, keine Erwähnung von Slack oder anderen internen Kommunikationsplattformen. Vielleicht habe ich das ja überhört.

Ein Beispiel für eine Konferenz mit einem aktiven Hashtag: #RRUKA2017, Jahreskonferenz der Rail Research Association.

Es gab auch Organisationen, die an der Frühlingstagung teilgenommen haben und darüber auf Twitter gesprochen haben. Aber weil es keinen zentralen Hashtag gab, sind all die schönen Hashtags nutzlos. Durch keinen der Hashtags findet man andere relevante Inhalte. Deshalb gab es keine Interaktion mit anderen Teilnehmern.

Ich wünsche mir, dass Organisationen in MV verstehen, dass das, was einige wenige junge Menschen zu Influencern macht, nichts damit zu tun hat, was professionelle Erwachsene brauchen, um sich besser zu vernetzen.

Denn das, was ein starkes Netzwerk braucht, ist Dezentralisierung. Wir wollen die Stimmen von allen hören, nicht nur vom Minister, der ja da war, um zu lernen. Viele haben etwas beizutragen, besonders, wenn ein Thema so wichtig ist wie dieses. Viele sollen sich gehört, oder gelesen, und für die Richtung der Konversation verantwortlich fühlen. Das ist ein völlig anderer Ausgangspunkt als der von Startups, von Pitches, von Instagram Influencers, auch von traditionellen Medien und Hierarchien. Und das ist, was das Internet so interessant macht.

(In anderen Gegenden sind Menschen selbst-organisiert und nehmen viel in die Hand, in Rostock passiert immer noch vieles von oben herab. Die Organisation des Hansetags ist ein gutes Beispiel. Wo können sich Rostocker einbringen? Ich habe es probiert, und bin nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden. Das Kunstprojekt Ship of Tolerance ist ein anderes Beispiel. In Rom wurde es durch Crowdfunding finanziert. Wenn aber alles von oben herab organisiert wird, sind Leute auch apathisch und fühlen sich im schlimmsten Fall ohnmächtig und voller Kritik, was in Rostock wirklich ausgeprägt ist. Alles ist miteinander verbunden.)

Leider ist es schwierig, die Wichtigkeit der dezentralen Vernetzung von Menschen – und auch Organisationen, aber Organisationen bestehen aus Menschen – mit finanziellen Interessen zu verbinden. Das ist vielleicht ein Grund, warum sie leicht einmal in der Aufregung der Digitalisierung untergeht. Und doch ist sie das Allerwichtigste. Nur so können so die schnelllebigen Themen von heute verarbeitet und so produktiv wie möglich aufgegriffen werden.

Wir können nicht alle von heute auf morgen digitale Experten werden, weder Lehrer, noch Minister, noch Polizisten. Aber wenn sich alle vernetzt wissen, dann können alle auf die beste Art und Weise das vorhandene Know-How nutzen.

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Warum ist hier keiner online?

Ich habe es endlich geschafft! Mein erstes Networking Event in meiner eigenen Heimatstadt Rostock! Es ist alles nicht mehr nur Theorie! Ich weiß jetzt wie Leute Social Media benutzen, die echt was bewegen wollen!

Und ich habe eine Frage.

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Die Hashtags vorbildlich vorgestellt

Warum geht man zu einem Event und vernetzt sich dann nicht online? Warum passiert nichts unter dem Hashtag auf Twitter? Oder dem anderen? Ja, spezifisch Twitter. Mit einem Hashtag arbeitet man am besten auf einer offenen Plattform, wo kein unsichtbarer Algorithm für uns entscheidet, was wir sehen können.

Wenn man einem Hashtag folgt, sieht man alle anderen, die auch mit dem Hashtag posten, die also da sind, oder auch etwas Interessantes zum Thema beizutragen haben. Die erzählen dann, was sie da wollen, oder was sie generell wollen und woran sie arbeiten, und wenn man das interessant findet, kann gezielt zu ihnen gehen, sich persönlich treffen, und hat eine wertvolle Verbindung.

Nach dem Event kann man sich gegenseitig folgen. Damit erreicht man eine lose, aber trotzdem aktive Beziehung, die über Jahre existieren und wachsen kann. Das ist schließlich das Ziel beim Networking. Leute kennenlernen und Verbindungen aufbauen. Durch die persönliche Begegnung können diese Verbindungen sogar ohne weitere physische Nähe wachsen und echte, vertrauensbasierte Beziehungen werden.

Wenn man sich gegenseitig folgt – beim Event und auch danach – hat man Einblicke. Statt nur das Äußere einer Person zu sehen, erfährt man eine zusätzliche Dimension. Man sieht die Gedanken. Wenn das mit Offenheit gepaart ist, vernimmt man die wahren Kompetenzen, man schafft dadurch Vertrauen, man kann tatsächlich sogar als Mensch durch diese Verbindungen wachsen. Man macht Fehler, man lernt aus ihnen. Das Gegenteil vom Marketing passiert, man muss nicht immer perfekt erscheinen, und dadurch kann man so viel mehr machen.

Und deshalb hat man dann auch die Möglichkeit, von vielen Menschen zu hören, nicht nur denen, die natürlich laut sind und sich gern auf einer Bühne darstellen.

Und weil alle weniger auf Perfektion aus sind, können sie in diesen Beziehungen, die auf Vertrauen statt Wettbewerb basiert sind, selbstkritischer sein. Kritik ist da, weil nicht alles immer richtig ist. Aber wenn eine Verbindung auf persönlichen Kontakten basiert ist, gibt es Respekt. Man kann nur Troll sein, wenn man sich hinter einem Keyboard verstecken kann. Das Problem ist mit Events gelöst, hier kann sich keiner verstecken.

Wir alle brauchen doch eine digitale Präsenz, um unsere Arbeit ausführen zu können. Mit der man sich mit anderen Menschen verbinden kann, mit ihnen zusammen Projekte auf die Beine stellen und Dinge verändern kann. Je direkter diese digitale Präsenz mit unserer Identität verbunden ist, desto mehr können wir damit machen. Events sind der geeignete Nährgrund, diese Präsenz auf- und auszubauen, weil die besten Verbindungen immer noch auf der Basis einer persönlichen Begegnung wachsen.

Und das Marketing? Das funktioniert auch besser, weil es echt ist. Man muss sich keinen Content aus den Fingern saugen, oder ihn von Leuten kaufen, die weder von einem selbst, noch von dem, was man tut, eine Ahnung haben.

Und ja, niemand benutzt Twitter in Meck-Pomm. Aber es ist trotzdem so nützlich und bringt so viel mehr Wert, speziell zu Networking Events, dass man ja ganz einfach in kleinem Kreis anfangen kann und einem egal sein kann, was die Umwelt macht.

Kann man überhaupt ohne irgendeine digitale Dimension ein Netzwerk haben?

Wie würde ich es anfangen?

Ein gedankliches Experiment.

Wenn ich heute die Möglichkeit bekäme, als Beraterin in digitaler Entwicklung zu arbeiten, was wären meine Ratschläge?

Ich würde immer noch eine gut gepflegte, persönliche digitale Präsenz empfehlen.

Ich würde, wie auch in London, der Leitung des Unternehmens oder den Leitungsebenen einer Reihe von Unternehmen oder Organisationen einen Kurs in digitaler Vernetzung anbieten.

Ganz von vorn mit dem Aufbau einer digitalen Identität anzufangen, heißt, zu überlegen, an wen man sich mit seinen Worten und Inhalten wendet. Und ja, in diesem Land sind ist die breite Öffentlichkeit nicht sehr auf sozialen Netzwerken unterwegs.

Nichtsdestotrotz: Keine Organisation beschäftigt sich nur mit Kunden/Partnern aus diesem Land. Und: Eine sichere Stimme Online hilft auch außerhalb von Twitter und Co.

An wen soll man sich also richten? Die Frage ist: Wem vertraut man? Wen respektiert man? Wenn man mit seinen Inhalten das Ziel hat, vertrauensbasierte Verhältnisse aufzubauen, redet man anders, als ob man die blinde Masse anspricht.

Je breiter, desto flacher ist die Devise. Und umgekehrt: Je persönlicher, desto tiefgehender.

Man muss natürlich abschätzen können, wie weit wirkliche Offenheit möglich ist. Deshalb ist es bei einem veränderten Herangehen an Geschäftskommunikation wichtig, dass alle Ebenen der Organisation persönlich involviert sind.

In den meisten Organisation gibt es viel Raum für „Die neue Offenheit“, bevor man sich über Geschäftsgeheimnisse Sorgen machen muss.

Das Ziel dieser Offenheit sind vertrauensbasierte Beziehungen.

Der nächste Schritt wäre dann, Inhalte zu entwickeln. Das ist eigentlich nicht so schwierig, wenn man davon redet, was einem den Tag ausfüllt. Dann muss man auch lernen, zuzuhören, denn Beziehungen aufzubauen, heißt, mehr zuzuhören als selbst zu reden.

Dann geht es um technische Dinge wie Plattformen, die Form der Inhalte, das Bauen und Aufrechterhalten des Netzwerkes. Denn idealerweise wollen wir etwas Nachhaltiges aufbauen, das nicht am Ende des Kurses einschläft. Idealerweise soll der Kurs nur eine Grundlage bilden für ein Netzwerk, in dem Menschen sich und ihre Beziehungen weiterhin entwickeln können.

Die Ziele des Entwickelns einer solchen Online Identität:

  • Eine souveräne Stimme der Organisationsleitung im Internet, mit der sich potentielle Partner oder Interessenten verbinden können
  • Regelmäßiges Schreiben von Inhalten bedeutet eine persönliche Entwicklung für die Kursteilnehmer
  • Durch das Lesen und Teilnehmen an der Entwicklung anderer Menschen entwickelt man authentische Beziehungen, die bei der eigenen Entwicklung helfen
  • Je mehr Mitglieder einer Organisation eine sichere Online-Stimme entwickelt haben, desto besser ist die Organisation darin, über ihre Arbeit zu reden
  • Je mehr die Führung einer Organisation selbst im Internet präsent sind, desto weniger Angst gibt es davor, den Mitgliedern Unabhängingkeit und gut geleitete Freiheit zu geben
  • Je besser die Organisation vernetzt ist, desto besser kann sie ihren Partnern und Kunden mit gutem Beispiel vorangehen
  • Und schließlich: Vertrauensbasierte, nahe Beziehungen bedeuten bessere Geschäfte und mehr Spaß an der Arbeit für alle

Was ich will mit meinem Blog

Meine Online-Identität ist genau wie meine wirkliche. Im richtigen Leben möchte ich Menschen finden, die ich mag und die mich mögen, und online genauso.

Ich möchte Leute finden, die Echtheit, Ehrlichkeit im Online-Leben gut finden und es auch so halten.

Das klingt normal, aber seit ein paar Jahren heißt Blogging, irgendwelche Produkte, oder sich selbst, zu vermarketen. Social Media wird zwar jetzt hier auch mehr genutzt, aber nicht, um sich mit echten Menschen zu verbinden, sondern um Ziele zu erreichen. Followers, das heißt Aufmerksamkeit. Influence, das heißt Aufmerksamkeit von Agenturen, die eventuell mit Marketing-Abteilungen zusammenarbeiten, um jemand anders zu vermarkten, und von denen kriegt man dann Geld, wenn man sich genug Aufmerksamkeit verschafft hat, damit sie etwas davon abkriegen.

Wo Menschen nur Zielpublikum (oder nicht) sind, bin ich auch nur mein Geld oder meine Aufmerksamkeit oder nicht. Und das gilt, glaube ich, auch für andere Menschen, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Marketing durch Tricks, die zeitweilig Aufmerksamkeit erhaschen, wird schnell durchschaut.

Wo Menschen aber mehr sind als nur eine Nummer, bin ich auch gern mehr.

Jetzt ist die Frage. Gibt es Leute, die es hier auch so halten? Oder ist die gesamte Atmosphäre im Norden so kritisch, dass man es gar nicht kann? Muss man sich hinter Mauern verstecken, um ehrlich über das Auf und Ab zu schreiben, um zu sagen, dass man noch sucht und sich nicht sicher ist, oder wird man sofort verurteilt?

Unsicherheit ist eine der sympathischsten Eigenschaften. Weil es einfach keine Sicherheiten gibt. Jeder, der mit zuviel Sicherheit von sich und der Welt redet, ist einfach nur zu jung oder hat gerade ein Coaching gemacht. (Davon gibt es ja auch so einige.)

Das ist aber auch nicht das, was irgendjemand hilft. Je sicherer man sich ist, desto härter werden die Schläge sein, die einen dann irgendwann vom Podest hauen. Und es dauert Jahre, sich davon zu erholen, und leider teilt diese Erfahrungen niemand mit uns.

Also wenn jemand Tipps hat, wie man ehrliche Blogger trifft: Her damit.

In einem Teil von London, der sich etwas wie Berlin anfühlt (Crouch End), habe ich mal, vor 8 Jahren, das erste Tweetup organisiert – bevor Twitter sogar da zum Mainstream gehörte. Wenn ich mich wieder energetisch genug fühle, will ich so etwas hier machen. Das „Work Out Loud“ Tweetup, damit es keiner mit irgendwelchen Social Media Marketing meetups verwechselt.

Und warum? Damit andere Menschen, die nicht sonst nicht bloggen würden (weil sie ja keine jungen, selbstsicheren, ambitiösen Leute sind), von denen ich aber gern hören würde, es auch tun.

Wie immer ist das immer noch nur eine Idee und kann sich alles ändern.

Bei Events gilt: Twitter > Facebook

In Deutschland ist Facebook populärer als Twitter. Hier ein paar Gründe, warum es trotzdem gut sein kann, bei einem Event die Existenz eines spezifischen Hashtags zu betonen, und Teilnehmer zu inspirieren, auch auf Twitter teilzunehmen. Dies bedeutet für viele der Teilnehmer eine steile Lernkurve, jedoch hat ein Event, der sich um Technologie dreht, die Pflicht, gute Angewohnheiten zu inspirieren. Und es gibt nichts, was so direkt den Nutzen von Twitter vermittelt, als bei einem Event mit einem Vielfachen von Personen direkte, persönliche und anhaltende Kontakte aufzubauen.

Vor dem Event: Viele Teilnehmer fangen schon an, den Hashtag ein paar Tage vor dem Event zu beobachten (praktisch geht das, indem man eine Kolumne einrichtet. Tweetdeck macht das jetzt automatisch, wenn man einen Hashtag anklickt. Dann muss man sie sich nur noch zurechtrücken.) Alle bereiten sich so zusammen auf den Tag vor, und man kann sich schon mit eventuellen Kontakten austauschen.

Beim Event: Wenn Menschen online über ihre Erfahrungen sprechen, lernen ihre Netzwerke den Event kennen, und die Arbeit aller wird weit über die Wände des Saales hinaus verstärkt. Man folgt sich gegenseitig und baut ein Netzwerk mit Gleichgesinnten auf. Sowohl Teilnehmer als auch interessierte Partien haben einen direkte Leitung zu Inhalten, die die sonst oft kurzen und vielen Talks und Pitches vertiefen.

Nach dem Event: Man bleibt in Kontakt, und dadurch, dass man im gleichen Raum war, hat man selbst mit Menschen, die man nicht persönlich getroffen hat, eine Basis von Vertrauen und Respekt. Dies fehlt sonst oft in Sozialen Netzwerken. So hat man persönliche Kontakte mit einer viel größeren Anzahl von Menschen, als man sonst die Hände geschüttelt hätte, und so sind diese Kontakte zwar locker aber doch existent, besser als Marketing Emails. Man wird so weiter inspiriert, seine eigenen Online Identitäten zu pflegen, die so wichtig im heutigen Geschäftsleben sind.

Und natürlich soll immer wieder der wichtigste Unterschied zwischen Twitter und Facebook betont werden: Man ist bei Twitter keinem Algorithmus unterworfen, der bestimmt, welche Inhalte man sieht.

Wer bin ich, was sage ich?

Wenn wir Marketing- oder Kommunikationsspezialisten um Hilfe beim Aufbau einer Onlinepräsenz fragen, werden wir oft mit Informationen über Zielgruppen und Plattformen zugeschüttet. Das allerletzte, um das sich Marketingleute kümmern, ist Substanz – das, was uns wirklich ausmacht.

Bei einer persönlichen Präsenz ist die Substanz der Ausgangspunkt, nicht die Methode, nicht die Anpassung der Nachricht für die Zielgruppe.

Wenn wir auf Marketingmaterial reagieren, fühlen wir uns oft ausgetrickst. Das Material hat unsere Aufmerksamkeit erreicht, aber wir haben keine positive Beziehung mit dem Ursprung dieser Nachrichten aufgebaut.

Als Person bauen wir Freundschaften auf, wollen also idealerweise andere nicht mit Tricks auf uns aufmerksam machen. Je echter die Nachrichten sind, mit denen wir Menschen erreichen, desto bereiter sind sie, mit uns in Kontakt zu bleiben.

Das Resultat solch einer vertrauens- und wahrheitsbasierten Präsenz ist, dass man ein echtes Kontaktnetzwerk aufbauen kann, das sich über Jahre ausweitet. Alles, was man erreichen will – professionell oder persönlich – ist so leichter und viel mehr ist möglich.

Was sagen wir, wenn wir wirklich die Wahrheit sagen? Und wie können wir furchtlos und sicher kommunizieren?

Das genau sind die Fragen, die wir den Spezialisten stellen sollten. Kann man diese Fragen jemals ganz beantworten? Ich glaube nicht. Aber sie jedes Jahr besser und mit mehr Erfahrung zu beantworten, ist ein besserer Check für unsere persönlichen Präsenzen als jede Social Media Metrik.

Bald auch in Rostock!

Ich habe vor Jahren mal angefangen, ein paar deutschsprachige Artikel zu schreiben. Das ist natürlich aus heutiger Sicht alles blauäugig und hoffnungsvoll – Social Media hat seitdem auch sehr viele andere und auch sehr schlechte Seiten gezeigt.

Trotzdem werde ich dieses alte Blog behalten und weiter betreiben. Ich bin dabei, nach Rostock umzuziehen, und werde dort natürlich auch als Beraterin für internationale Social Media Fragen tätig sein. Obwohl ich für die ersten Monate arbeitsmäßig schon versorgt bin, danke der Nachfrage, was den großen Umzugsstress schon etwas mindert.

Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn man mit dem Ausland Geschäfte macht, muss man sich auf dessen Art einstellen. Wenn Social Media für uns nicht so wichtig ist – in Großbritannien geht nichts ohne gute Online-Verbindungen. Besonders mit Journalisten und in der Technologie-Szene. Und für gute Verbindungen ist es wichtig, dass alle in einer Organisation wissen, was online in ihrem Namen passiert, und sich damit identifizieren können. Von der Chefetage angefangen.

Das Vermögen zu entwickeln, sich online zwanglos und mit Selbstvertrauen auszudrücken, ist eine der wichtigsten Aufgaben von Führungskräften heutzutage. Und dabei zu helfen, ist meine Spezialität.