Ich frage, ich lerne

Diese Woche war ich zum zweiten Mal in meiner alten/neuen Heimatstadt „networken“. Es war weniger verwirrend als das erste Mal. Ich kann jetzt genauer beschreiben, was mich befremdet, und das freut mich, weil ich dann besser entscheiden kann, was daran einfach die Natur der Mecklenburger ist und wo ich eventuell etwas beizutragen hätte.

IMG_6425Zunächst mal habe ich gelernt, warum der Hashtag nicht genutzt wird, obwohl er Teil des Branding ist – einer der Gründer des Events hat eine App gemacht, die es erlaubt, anonym Fragen zu stellen, also wird die genutzt. Und das ist ja auch unternehmerisch gut gedacht, obwohl es den Teilnehmern weniger nützt. Es werden keine Verbindungen untereinander geschaffen. Aber die App wird genutzt, und das freut alle, die dazu Geld gegeben haben, und auch den Chief Digital Officer der Uni.

IMG_6431Das finde ich aus einem anderen Grunde interessant. Die Events, die mir bisher am meisten gebracht haben – allen voran Localgovcamp – waren das genaue Gegenteil. Branding gab es nicht, die T-Shirts sahen jedes Mal anders aus, aber einen starken Namen, eine Idee, Gründer, die ein Interesse daran hatten, ihren Teilnehmern so sehr wie möglich zu nutzen. Einen Hashtag, der zentral war. Hier gibt es zwar starkes Branding, aber weil die persönlichen Interessen der Leute, die den Hashtag tragen, woanders liegen, hat es keine Wirkung. Zumindest der Hashtag nicht.

Screenshot from 2018-04-14 08-45-08Ich stelle mir vor, hier etwas gründen zu wollen bedeutet, dass man ein Vorhaben, das irgendwie mit Technologie zu tun hat, immer wieder Lehrern, Bankangestellten und Leuten, die EU-Gelder vergeben, erklären muss. Die stellen immer die gleichen Fragen. Weiß man denn, wie man werben wird, wer die potentiellen Kunden und die Konkurrenz sind? Wie wird man wachsen und im nächsten Jahr mehr Geld machen als in diesem? Die fragen nicht, wie man das Leben der Menschen, die mit dem Produkt in Verbindung kommen, verbessern wird. Denn zu viel Herz und Gewissen im Geschäftsleben bedeutet nichts anderes für den Investor, als dass die Investition in Gefahr ist.

Wer profitiert schon davon, dass sich Menschen zu einem starken, dezentralen Netzwerk verbinden?

Und natürlich habe ich versucht, mit so vielen Teilnehmern wie möglich zu sprechen, es war schließlich ein Networking Event. Ich bin im richtigen Leben genauso enthusiastisch über dieses Thema, also rede ich viel mit allen darüber, dass man doch so schön den Hashtag, der ja doch überall steht, benutzen könnte. Ich bekomme dann die Antworten, dass man da doch keine Kunden findet, und dass es in Firmen einfach nicht die Leute gibt, die die Zeit und Expertise haben. Interessanterweise wusste der Gründer der App, wovon ich rede, für andere ist Twitter nur eine Plattform für Social Media Marketing.

Deswegen ist es doppelt schade, dass die Events nicht aktiv Leute ermutigen, den Hashtag zu nutzen, denn dann hätten Teilnehmer sofort eine praktische Demonstration der direkten Vernetzung.

Natürlich sind Rostocker im Allgemeinen nicht gerade kommunikationsfreudig, aber ich meine immer, das Leute, die zu einem Networking Event gehen, schon etwas Bereitschaft zeigen, über ihren Schatten zu springen. Obwohl ich mir gar nicht mehr so sicher bin, dass ich da richtig liege – es war zeitweilig mehr wie ein Klassenzimmer, mit den gleichen Disziplinproblemen, als wie ein Zusammenkommen von Erwachsenen, die alle etwas bewegen wollen.

Eine andere Sache, die mir klar geworden ist, ist, dass man, um etwas anders zu machen, einen Druck spüren muss. Hier scheinen alle sehr erfolgreich zu sein. Frauen sind sogar mit den üblichen Pyramid Schemes sehr erfolgreich. Vielleicht, weil alles hier immer noch irgendwie neu ist. Oder vielleicht, weil man immer mehr Erfolg suggeriert, als wirklich da ist – Ehrlichkeit ist ja auch etwas, das im Geschäftsleben verpönt ist.

Es scheint also immer noch sehr viele unüberwindliche Hindernisse dafür zu geben, dass Menschen sich hier dezentral zu einem starken Netzwerk verbinden. Aber nichts ist unmöglich.

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Warum ist hier keiner online?

Ich habe es endlich geschafft! Mein erstes Networking Event in meiner eigenen Heimatstadt Rostock! Es ist alles nicht mehr nur Theorie! Ich weiß jetzt wie Leute Social Media benutzen, die echt was bewegen wollen!

Und ich habe eine Frage.

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Die Hashtags vorbildlich vorgestellt

Warum geht man zu einem Event und vernetzt sich dann nicht online? Warum passiert nichts unter dem Hashtag auf Twitter? Oder dem anderen? Ja, spezifisch Twitter. Mit einem Hashtag arbeitet man am besten auf einer offenen Plattform, wo kein unsichtbarer Algorithm für uns entscheidet, was wir sehen können.

Wenn man einem Hashtag folgt, sieht man alle anderen, die auch mit dem Hashtag posten, die also da sind, oder auch etwas Interessantes zum Thema beizutragen haben. Die erzählen dann, was sie da wollen, oder was sie generell wollen und woran sie arbeiten, und wenn man das interessant findet, kann gezielt zu ihnen gehen, sich persönlich treffen, und hat eine wertvolle Verbindung.

Nach dem Event kann man sich gegenseitig folgen. Damit erreicht man eine lose, aber trotzdem aktive Beziehung, die über Jahre existieren und wachsen kann. Das ist schließlich das Ziel beim Networking. Leute kennenlernen und Verbindungen aufbauen. Durch die persönliche Begegnung können diese Verbindungen sogar ohne weitere physische Nähe wachsen und echte, vertrauensbasierte Beziehungen werden.

Wenn man sich gegenseitig folgt – beim Event und auch danach – hat man Einblicke. Statt nur das Äußere einer Person zu sehen, erfährt man eine zusätzliche Dimension. Man sieht die Gedanken. Wenn das mit Offenheit gepaart ist, vernimmt man die wahren Kompetenzen, man schafft dadurch Vertrauen, man kann tatsächlich sogar als Mensch durch diese Verbindungen wachsen. Man macht Fehler, man lernt aus ihnen. Das Gegenteil vom Marketing passiert, man muss nicht immer perfekt erscheinen, und dadurch kann man so viel mehr machen.

Und deshalb hat man dann auch die Möglichkeit, von vielen Menschen zu hören, nicht nur denen, die natürlich laut sind und sich gern auf einer Bühne darstellen.

Und weil alle weniger auf Perfektion aus sind, können sie in diesen Beziehungen, die auf Vertrauen statt Wettbewerb basiert sind, selbstkritischer sein. Kritik ist da, weil nicht alles immer richtig ist. Aber wenn eine Verbindung auf persönlichen Kontakten basiert ist, gibt es Respekt. Man kann nur Troll sein, wenn man sich hinter einem Keyboard verstecken kann. Das Problem ist mit Events gelöst, hier kann sich keiner verstecken.

Wir alle brauchen doch eine digitale Präsenz, um unsere Arbeit ausführen zu können. Mit der man sich mit anderen Menschen verbinden kann, mit ihnen zusammen Projekte auf die Beine stellen und Dinge verändern kann. Je direkter diese digitale Präsenz mit unserer Identität verbunden ist, desto mehr können wir damit machen. Events sind der geeignete Nährgrund, diese Präsenz auf- und auszubauen, weil die besten Verbindungen immer noch auf der Basis einer persönlichen Begegnung wachsen.

Und das Marketing? Das funktioniert auch besser, weil es echt ist. Man muss sich keinen Content aus den Fingern saugen, oder ihn von Leuten kaufen, die weder von einem selbst, noch von dem, was man tut, eine Ahnung haben.

Und ja, niemand benutzt Twitter in Meck-Pomm. Aber es ist trotzdem so nützlich und bringt so viel mehr Wert, speziell zu Networking Events, dass man ja ganz einfach in kleinem Kreis anfangen kann und einem egal sein kann, was die Umwelt macht.

Kann man überhaupt ohne irgendeine digitale Dimension ein Netzwerk haben?