Gut gemeint

In English

Dieser Post hat nicht unbedingt etwas mit Technologie zu tun – außer vielleicht in der Hinsicht dass, wenn die betreffenden Personen ein wenig besser vernetzt wären, sie vielleicht mit ihren Aufgaben etwas aufmerksamer umgehen würden, vielleicht nicht in die erste Falle der Probleme anderer Leute gestolpert wären. Oh ja, und dann ist da noch die Plattform, die Organisatoren eigentlich dazu nutzen könnten, ohne die Engpässe der Zeitungen über ihre Veranstaltungen zu informieren, über die man aber viel aktiver informieren müsste. Also doch wieder das Internet.

Aber fangen wir am Anfang an.

Ich wohne also jetzt in Rostock. In einem der ärmsten Stadtteile im ärmsten Bundesland. Für mich war es dennoch eine gute Entscheidung, aus London gerade hier herzuziehen: Gute Luft, schöne Wohnungen, alles funktioniert, Wohnungsgenossenschaften, von denen man im Ausland nur träumen kann, Radwege bis an die See, und ist da auch noch meine Gesundheit, die letztes Jahr schwer angeschlagen war, also waren die Ärzte und Therapeuten vor der Tür nicht unwichtig. Wenn uns jemand hier besucht, findet man es meist sehr schön und ist eigentlich überrascht, dass diese Viertel einen so schlechten Ruf haben.

Ich bin natürlich von der Londoner „Mixed and balanced communities“-Strategie verwöhnt – sie wirkt sich in der Wirklichkeit so aus, dass es in jedem Postcode eine Mischung aus allen Einkommens- und sozialen Gruppen gibt. Und so gibt es keine Ghettobildung. Man kann in jedem Postcode alle Arten von Menschen finden.

In Deutschland ist das nicht so. Soziale Gruppen halten sich geographisch getrennt.

Hier bin ich in der Gegend des Prekariats, der ehemaligen konsumorientierten Arbeiterklasse (vor 1990 war eine Wohnung hier in Schmarl ein Statussymbol, aber davon reden wir jetzt lieber nicht.) Es gab einen großen Brain Drain, damit einhergehend viel Armut und Vereinsamung. Damit gibt es natürlich auch Organisationen, die sich mit diesen Problemvierteln beschäftigen (natürlich nicht auf der Ebene der Stadtplanung.)

Am Donnerstag war ich das erste Mal bei einer Veranstaltung hier in meinem Stadtteil Schmarl dabei, die auf dieser Basis organisiert worden war. Hier ist mein Bericht.

1.

Es ist ein Donnerstag Abend im Wossidlo-Club, einer Eckkneipe mit historischen Wurzeln – und auch der letzten dieser Plattenbau-Eckkneipen, die bis jetzt als Community Space überlebt hat. Anwesend sind vier Teilnehmer. Ich bin die einzige, die tatsächlich in Schmarl wohnt. Andere sind von den Organisationen, die den armen Plattenbaueinwohnern helfen wollen. Jemand anders ist hier, weil er eine Meinung hat. Und der Betreiber der örtlichen Kneipe, der nicht selbst hier wohnt oder arbeitet, der aber die Kneipe mit der Auflage betreibt, etwas mehr für die Nachbarschaft zu organisieren.

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Kurz nachdem die örtliche Wohnungsgenossenschaft die alte Eckkneipe gekauft, etwas saubergemacht und dann der Community als Veranstaltungsort für neue Ideen angeboten hatte, war ich mal hingegangen und habe über Stricknachmittage geredet. Allerdings ist es eine Raucherkneipe, und man musste erstmal lüften. Das war ein Nein von mir.

2.

Es wäre schön, einen Veranstaltungsort für die Altersgruppe 20 – 50 zu haben, der nicht in Arbeitslosenzentren oder Seniorenhäusern ist. Deshalb halt meine Idee mit den Funky Music Nights in einem sehr seltsam rustikalen Lokal – aber da habe ich jetzt gelernt, dass Ironie hier nicht so funktioniert.

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3.

Als wir noch auf den eigentlichen Organisator warten, haben wir schon eine angeregte Vorstellungsrunde gestartet. Als der Organisator dann kommt, könnte er uns eigentlich einfach zuhören, stellt sich aber hin und erzählt. Ein zweiter Minuspunkt: das komplette Fehlen der eigentlichen Zielgruppe wird mit keinem Wort erwähnt.

Als sich dann irgendwann doch wieder eine Diskussion herausbildet, spricht die Teilnehmerin von BIWAQ, die mit dem Kneipenbesitzer daran arbeitet, seine Auflagen zu erfüllen (er hat eine sehr niedrige Miete, weil er an Community Cohesion arbeiten soll), über diese armen Stadtteile, wo man sich doch abends nicht auf die Straße wagen kann, und ich wehre mich.

Ich wohne nämlich hier, ich rede mit den Leuten, und ich weiß, dass es nicht so ist, wie man denkt, wenn das alles nur in den Medien kennt und ab und zu mal vorbeifährt. Klar, ich fühlte mich auch erstmal anders – ich war schließlich 29 Jahre weg. Aber fürchte mich nicht, irgendwo nachts allein langzugehen. Ich bin nie angefeindet worden, seit ich hier bin, mein Kind auch nicht, und als wir zusammen mit einem Freund, der auch ganz offensichtlich nicht von hier ist, essen gegangen sind, war auch alles völlig ok. Und (toi toi toi) ich habe auch schon vergessen, mein Fahrrad anzuschließen, und das war dann auch noch da. Vieles funktioniert einfach. Aber wenn die Menschen, denen zugehört wird (und die auch die Fördergelder kriegen) mir ständig erzählen, wie schlimm es hier ist, und ich glaube es ihnen – ist das dann nicht genau das Gegenteil, von dem was hier gebraucht wird?

Es gibt sehr erfolgreiche Leute hier im Stadtteil, es gibt unglaublich viele, die Interessantes zu erzählen haben. Aber wenn man nicht hier lebt und sich nur hier aufhält, wenn den Armen mal wieder erzählt werden muss, wo es lang gehen soll, trifft man die nicht.

4.

Für mich persönlich ist es immer noch eine steile Lernkurve, hier zu sein. Die, die hier so nett, aber ungebeten helfen wollen, sind die Leute, mit denen ich mich ja eigentlich identifiziere. In London zählte ich Menschen wie Tessy Britton, die die Organisation Participatory City gegründet hat und genau auf diesem Gebiet sehr erfolgreich ist, zu Freunden. Ich wäre auch lieber in die KTV (das Rostocker Szeneviertel) gezogen. Aber dann war ich letztes Wochenende beim jährlichen Open Air Festival in der KTV, und es waren ganz offensichtlich doch nicht meine Leute.

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Ist das etwa die Middle Class Anxiety, die Grayson Perry im zweiten Teil seiner Serie über Geschmack und Klasse erwähnt?

‚Wir sind alle sehr gute Menschen und wollen nur das Beste, wir sind die Grünen und die, die sozial alles zum Guten wenden wollen, aber wenn du ein paar Kilo zu viel wiegst, nicht die richtige Kleidung hast oder nicht die richtige Bräune, kann kannst du leider nicht zu uns gehören.‘ Und vielleicht kann man mit dieser Haltung, die eigentlich keine Andersartigkeit zulässt, ja Menschen nicht wirklich zuhören und so auch ihre Probleme nicht lösen?

5.

Moment mal. Fühle ich mich jetzt etwa hier in der Platte zu Hause?

Ich weiß genau, wie das ist, wenn man irgendwo gerade mal zehn Minuten war, einen Blick auf die Situation geworfen hat und genau weiß, was das Beste für die armen Leute dort ist. (Entschuldige bitte, Nigeria.)

Hier ist etwas Lesematerial über dieses Thema, auch von Menschen, die in Afrika leben und darunter leiden, wie ihre Heimat hier bei uns standardgemäß dargestellt wird. Und jetzt weiß ich dann auch ein ganz klein wenig, wie sich das anfühlt.

„Die reduktive Verführung der Probleme anderer Leute“

„Dein weißer Retterkomplex schadet meiner Entwicklung“

6.

Als ich zu Hause über diesen Abend erzählt habe, war dann die Frage, wie ich es anders machen würde. Und ja, mein erster Schritt ist immer noch, eine Community von Erwachsenen aufzubauen und Veranstaltungen zu organisieren. Und viele, viele Gespräche mit Zeitzeugen und interessanten Leuten zu führen – als Veranstaltung, Podcast oder einfach persönlich.

Ob jetzt irgendwas in diesem ironisch-coolen Lokal geht, muss sich dann noch zeigen.

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#JuliaPorath kann „Datensicherheit“ nicht mehr hören

Julia Porath ist die örtliche Influencerin. 19K Followers bei Instagram, 131K Likes auf Facebook, das macht sie zur größten Social-Media-Spezialistin des ganzen Landes Mecklenburg-Vorpommern.

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Julia Porath teilt meist visuelle Inhalte, also wusste man bis jetzt nicht so genau, was sie eigentlich über Facebook, Instagram und Co. dachte.

Jetzt hat die Ostsee-Zeitung einen Beitrag von Julia über Facebook und Datensicherheit veröffentlicht. Eine Social-Media-Spezialistin, die die Lokalzeitung als Sprachrohr nutzt? Ein Traum! Wir sollten doch eigentlich in Rostock eine gut informierte, wunderbar vernetzte Bevölkerung haben.

Ach nein, Influencer kümmern sich ja nicht um Community, um Verbindungen zwischen Menschen, sondern um ein passives Publikum. Und Influencer verbinden sich auch nicht wirklich mit anderen. Wenn Julia auch nur einen anderen Artikel über Facebook und Daten gelesen hätte, würde sie wissen, dass es nicht um Telefonnummern geht.

Den Twitter Thread here zum Beispiel.

Dass wir soviel darüber reden, ist, weil wir selbst bestimmen wollen, wie Technologie in Zukunft unser Leben beeinflusst. Sorry wenn dir das auf die Nerven geht, Julia.

Und dieses „hier ist meine Telefonnummer! Haha, die zum Studio, ich bin ja so lustig!“ Wie sieht man hier eigentlich sein Publikum? Gibt es den Wunsch, Menschen dabei zu helfen, sich online zurechtzufinden, oder dient das alles nur der eigenen Popularität?

Ich frage, ich lerne

Diese Woche war ich zum zweiten Mal in meiner alten/neuen Heimatstadt „networken“. Es war weniger verwirrend als das erste Mal. Ich kann jetzt genauer beschreiben, was mich befremdet, und das freut mich, weil ich dann besser entscheiden kann, was daran einfach die Natur der Mecklenburger ist und wo ich eventuell etwas beizutragen hätte.

IMG_6425Zunächst mal habe ich gelernt, warum der Hashtag nicht genutzt wird, obwohl er Teil des Branding ist – einer der Gründer des Events hat eine App gemacht, die es erlaubt, anonym Fragen zu stellen, also wird die genutzt. Und das ist ja auch unternehmerisch gut gedacht, obwohl es den Teilnehmern weniger nützt. Es werden keine Verbindungen untereinander geschaffen. Aber die App wird genutzt, und das freut alle, die dazu Geld gegeben haben, und auch den Chief Digital Officer der Uni.

IMG_6431Das finde ich aus einem anderen Grunde interessant. Die Events, die mir bisher am meisten gebracht haben – allen voran Localgovcamp – waren das genaue Gegenteil. Branding gab es nicht, die T-Shirts sahen jedes Mal anders aus, aber einen starken Namen, eine Idee, Gründer, die ein Interesse daran hatten, ihren Teilnehmern so sehr wie möglich zu nutzen. Einen Hashtag, der zentral war. Hier gibt es zwar starkes Branding, aber weil die persönlichen Interessen der Leute, die den Hashtag tragen, woanders liegen, hat es keine Wirkung. Zumindest der Hashtag nicht.

Screenshot from 2018-04-14 08-45-08Ich stelle mir vor, hier etwas gründen zu wollen bedeutet, dass man ein Vorhaben, das irgendwie mit Technologie zu tun hat, immer wieder Lehrern, Bankangestellten und Leuten, die EU-Gelder vergeben, erklären muss. Die stellen immer die gleichen Fragen. Weiß man denn, wie man werben wird, wer die potentiellen Kunden und die Konkurrenz sind? Wie wird man wachsen und im nächsten Jahr mehr Geld machen als in diesem? Die fragen nicht, wie man das Leben der Menschen, die mit dem Produkt in Verbindung kommen, verbessern wird. Denn zu viel Herz und Gewissen im Geschäftsleben bedeutet nichts anderes für den Investor, als dass die Investition in Gefahr ist.

Wer profitiert schon davon, dass sich Menschen zu einem starken, dezentralen Netzwerk verbinden?

Und natürlich habe ich versucht, mit so vielen Teilnehmern wie möglich zu sprechen, es war schließlich ein Networking Event. Ich bin im richtigen Leben genauso enthusiastisch über dieses Thema, also rede ich viel mit allen darüber, dass man doch so schön den Hashtag, der ja doch überall steht, benutzen könnte. Ich bekomme dann die Antworten, dass man da doch keine Kunden findet, und dass es in Firmen einfach nicht die Leute gibt, die die Zeit und Expertise haben. Interessanterweise wusste der Gründer der App, wovon ich rede, für andere ist Twitter nur eine Plattform für Social Media Marketing.

Deswegen ist es doppelt schade, dass die Events nicht aktiv Leute ermutigen, den Hashtag zu nutzen, denn dann hätten Teilnehmer sofort eine praktische Demonstration der direkten Vernetzung.

Natürlich sind Rostocker im Allgemeinen nicht gerade kommunikationsfreudig, aber ich meine immer, das Leute, die zu einem Networking Event gehen, schon etwas Bereitschaft zeigen, über ihren Schatten zu springen. Obwohl ich mir gar nicht mehr so sicher bin, dass ich da richtig liege – es war zeitweilig mehr wie ein Klassenzimmer, mit den gleichen Disziplinproblemen, als wie ein Zusammenkommen von Erwachsenen, die alle etwas bewegen wollen.

Eine andere Sache, die mir klar geworden ist, ist, dass man, um etwas anders zu machen, einen Druck spüren muss. Hier scheinen alle sehr erfolgreich zu sein. Frauen sind sogar mit den üblichen Pyramid Schemes sehr erfolgreich. Vielleicht, weil alles hier immer noch irgendwie neu ist. Oder vielleicht, weil man immer mehr Erfolg suggeriert, als wirklich da ist – Ehrlichkeit ist ja auch etwas, das im Geschäftsleben verpönt ist.

Es scheint also immer noch sehr viele unüberwindliche Hindernisse dafür zu geben, dass Menschen sich hier dezentral zu einem starken Netzwerk verbinden. Aber nichts ist unmöglich.

„Digital Natives“ sind nicht die Lösung

Am 22. März gab es die Frühjahrstagung „Digitale Kompetenzen“.

Mit der Motivation, mich vielleicht doch irgendwie hier in dieser neuen Umgebung mit meinen Erfahrungen aus der Londoner digitalen Szene einzubringen, habe ich die Chance genutzt und mir das veröffentlichte Video angeschaut.

Was für eine Möglichkeit, endlich zu verstehen, warum das fruchtbare Vernetzen online, so wie ich das von den Denkern und Machern der digitalen Welt kenne, hier nicht gang und gäbe ist.

Natürlich verstehe ich, dass das Ziel dieser Veranstaltungen hauptsächlich der Medienschutz ist, und deshalb das positive, persönliche, proaktive, produktive Verhalten online weniger im Vordergrund steht. Viele der Sprecher haben sich ausführlich mit dem Thema Facebook und Cambridge Analytica beschäftigt. Der Landesbeauftragte für Datenschutz MV sagte, dass er schon vor einem Jahr von den Problemen wusste.

Ich habe vor drei Jahren in meinem Buch geschrieben, dass Facebook weniger Vertrauen verdient als Twitter, weil Twitter uns durch seine Durchsichtigkeit und Offenheit dazu erzieht, wie verantwortungsvolle Erwachsene mit den Informationen, die wir der Außenwelt geben, umzugehen und Facebook genau das Gegenteil tut – immer mehr Daten aus uns saugt, als wir ihm bewusst geben würden. Natürlich eignet es sich auch nicht halb so gut wie Twitter für Events und die Entwicklung eines starken professionellen Netzwerkes. Aber das geht ja wieder in die positive, produktive Richtung.

Trotzdem: Eine Konferenz, die sich mit Datensicherheit und Medienkompetenzen beschäftigt, sollte doch eigentlich eine Twitterpräsenz auf allen Ebenen enthusiastisch begrüßen und bewerben!

Ich weiß, dass Organisationen in MV ganz von oben Twitter oft unumschränkt ablehnen. Das erklärt aber trotzdem noch nicht, warum es in einem Event über digitale Kompetenzen keine einzige Erwähnung findet – selbst wenn die Veranstalter aus irgendeinem Grunde die Wahl getroffen haben, keinen Hashtag anzubieten und so die Chance zu verpassen, den Mitgliedern die perfekte Möglichkeit zu geben, sich nachhaltig online zu vernetzen.

Ich weiß auch, dass Twitter nicht die perfekte Antwort auf alle Fragen ist. Aber wieso sind sich bei solch einer Tagung stillschweigend alle einig, dass das zweitgrößte soziale Netzwerk nicht existiert?

Ist die Antwort vielleicht dass man schon so viel über das schlimme Internet gehört hat, dass man lieber gar nichts online stellt? Das wäre nur möglich, wenn man den Rest der Welt und die Anstrengungen anderer völlig ignoriert. Was man ja leicht machen kann. Aber nein, es wäre wirklich die unreifste Reaktion, zu sagen: Ja, alle auf der ganzen Welt vernetzen sich, aber die sind alle doof; wir, das Land Mecklenburg-Vorpommern, wir wissen es besser.

Ist die Antwort, dass irgendwann in der Vergangenheit eine Studie gemacht wurde, dass Twitter hierzulande einfach nicht angenommen wird und man sich seitdem einfach stillschweigend darauf einigt, dass es nicht existiert? Das wäre eine Antwort, wenn wir Medienschaffende im Sinne von Werbung wären. Aber hier geht es um ein starkes Netzwerk unter den Teilnehmern selbst, die alle etwas beizutragen haben, und Kollegen im In- und Ausland. Genau diese Art von Diskussion über genau diese Themen gibt es gerade überall und Twitter ist die perfekte Möglichkeit, sich zu vernetzen. Es ist also egal ob es ein Publikum in MV gibt oder nicht.

Das nicht die Antwort sein. Vielleicht fehlt es einfach an Expertise?

Oder, anders gesagt: Verlässt man sich bei Fragen über das, was wir selbst online machen, zu sehr auf die „Digital Natives“? Das ist ein Begriff, der tatsächlich mehrmals in der Konferenz völlig unkritisch Erwähnung fand. Das Konzept „Digital Natives – Digital Immigrants“ wird in den Netzwerken, mit denen ich vertraut bin, schon seit Jahren nicht mehr als nützlich angesehen (1, 2), weil junge Menschen nicht automatisch alles besser können, und selbst wenn junge Menschen es besser können, ist ihr Wissen immer noch nicht relevant dafür, wie und wozu Erwachsene Technologie nutzen.

Wenn soziale Netzwerke auf Selfies und Influencers reduziert werden, sind sie ganz schnell irrelevant für Erwachsene. Dass ein Blog etwas anderes sein kann, als eine reine Verkaufsplattform, und es auch ursprünglich einmal war, bevor der Begriff „Influencer“ beschrieb, wie man das Internet zum Geldmachen benutzt, geht völlig unter.  Wenn wir den Erwachsenen, die diese Erfahrungen haben, nicht zuhören, weil die Kinder ja alles besser können, verpassen wir viel.

Ich kenne viele Menschen von 40 bis 70, die in diesem „Digital Natives – Digital Immigrants“ Konzept nie als Natives gelten würden, die aber absolut eine Inspiration für ein gutes, produktives Online-Leben sind.

Damit dieser Post nicht unendlich weitergeht, hier ist wie eine Tagung wie diese mit einem Hashtag auf Twitter anders laufen und an Substanz und Relevanz gewinnen könnte.

  • Die Veranstalter sind sich bewusst, dass nicht alle Teilnehmer auf Twitter aktiv sind oder wissen, wie es funktioniert. Allerdings sind Events auch die beste Möglichkeit, den Nutzen von Twitter zu demonstrieren. Deshalb wird der Hashtag nicht nur auf allen Dokumenten und der Website prominent gezeigt, sondern ganz am Anfang der Konferenz eine Einleitung gegeben, wie und warum er genutzt werden kann, zur Konferenz beizutragen und sich mit anderen Teilnehmern zu vernetzen.
  • Während der Konferenz wird eine Twitterwall eingerichtet. Tweets mit dem Hashtag werden prominent in der Halle gezeigt, auf Bildschirmen oder mit Projektoren.
  • Das Thema wird tiefer behandelt, wenn man sich weiter darüber austauschen kann als durch 10 Minuten Sprache und 1 Frage.
  • Man kann sich und seine Organisation, sein Produkt oder seinen Beitrag zum Thema besser und mit mehr Tiefe darstellen als durch einen 30 Sekunden „Pitch“ an einem Ausstellungsstand.
  • Nach dem Event kann man sich durch längere Posts weiter austauschen.
  • Man kann so weiter in Kontakt bleiben. Twitter bietet die Möglichkeit, mit mehr Menschen besser verbunden zu sein. Diese Verbindungen basieren auf Substanz, statt Äußerlichkeiten.
  • Wenn man nach dem Event kleinere, private Netzwerke bauen will, geht das auch am besten, wenn Leute davon erfahren.
  • Dadurch, dass Teilnehmer über die Konferenz online erwähnen, ist die Reichweite ihrer Themen um ein Vielfaches verstärkt, und Kompetenzen außerhalb der physisch Anwesenden können eingeholt werden. Wenn zum Beispiel eine Rednerin, die Chief Digital Officer der Universität Rostock ist und damit die wohl höchste Instanz für Digitalisierung in MV, sagt, dass „Apps jetzt gerade das Wichtigste sind“, kann das zumindest debattiert werden, als einfach so im Raum zu stehen.
  • Ein anderer Vorteil der größeren Reichweite ist auch, dass man sich live und direkt mit anderen verbinden kann, die die gleichen Fragen in anderen Bundesländern zu beantworten versuchen.
  • Und ganz schlussendlich: Wenn Twitter aus Gründen der Datensicherheit nicht angenommen werden kann, obwohl alle Daten dort voll unter unserer Kontrolle stehen, kann man sich trotzdem mit dem Hashtag auf Twitter vernetzen und dann auf private Netzwerke wechseln. Ich sehe nichts was andeutet, dass sich irgendwo vernetzt wird, keine Erwähnung von Slack oder anderen internen Kommunikationsplattformen. Vielleicht habe ich das ja überhört.

Ein Beispiel für eine Konferenz mit einem aktiven Hashtag: #RRUKA2017, Jahreskonferenz der Rail Research Association.

Es gab auch Organisationen, die an der Frühlingstagung teilgenommen haben und darüber auf Twitter gesprochen haben. Aber weil es keinen zentralen Hashtag gab, sind all die schönen Hashtags nutzlos. Durch keinen der Hashtags findet man andere relevante Inhalte. Deshalb gab es keine Interaktion mit anderen Teilnehmern.

Ich wünsche mir, dass Organisationen in MV verstehen, dass das, was einige wenige junge Menschen zu Influencern macht, nichts damit zu tun hat, was professionelle Erwachsene brauchen, um sich besser zu vernetzen.

Denn das, was ein starkes Netzwerk braucht, ist Dezentralisierung. Wir wollen die Stimmen von allen hören, nicht nur vom Minister, der ja da war, um zu lernen. Viele haben etwas beizutragen, besonders, wenn ein Thema so wichtig ist wie dieses. Viele sollen sich gehört, oder gelesen, und für die Richtung der Konversation verantwortlich fühlen. Das ist ein völlig anderer Ausgangspunkt als der von Startups, von Pitches, von Instagram Influencers, auch von traditionellen Medien und Hierarchien. Und das ist, was das Internet so interessant macht.

(In anderen Gegenden sind Menschen selbst-organisiert und nehmen viel in die Hand, in Rostock passiert immer noch vieles von oben herab. Die Organisation des Hansetags ist ein gutes Beispiel. Wo können sich Rostocker einbringen? Ich habe es probiert, und bin nicht gerade mit offenen Armen empfangen worden. Das Kunstprojekt Ship of Tolerance ist ein anderes Beispiel. In Rom wurde es durch Crowdfunding finanziert. Wenn aber alles von oben herab organisiert wird, sind Leute auch apathisch und fühlen sich im schlimmsten Fall ohnmächtig und voller Kritik, was in Rostock wirklich ausgeprägt ist. Alles ist miteinander verbunden.)

Leider ist es schwierig, die Wichtigkeit der dezentralen Vernetzung von Menschen – und auch Organisationen, aber Organisationen bestehen aus Menschen – mit finanziellen Interessen zu verbinden. Das ist vielleicht ein Grund, warum sie leicht einmal in der Aufregung der Digitalisierung untergeht. Und doch ist sie das Allerwichtigste. Nur so können so die schnelllebigen Themen von heute verarbeitet und so produktiv wie möglich aufgegriffen werden.

Wir können nicht alle von heute auf morgen digitale Experten werden, weder Lehrer, noch Minister, noch Polizisten. Aber wenn sich alle vernetzt wissen, dann können alle auf die beste Art und Weise das vorhandene Know-How nutzen.

Warum ist hier keiner online?

Ich habe es endlich geschafft! Mein erstes Networking Event in meiner eigenen Heimatstadt Rostock! Es ist alles nicht mehr nur Theorie! Ich weiß jetzt wie Leute Social Media benutzen, die echt was bewegen wollen!

Und ich habe eine Frage.

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Die Hashtags vorbildlich vorgestellt

Warum geht man zu einem Event und vernetzt sich dann nicht online? Warum passiert nichts unter dem Hashtag auf Twitter? Oder dem anderen? Ja, spezifisch Twitter. Mit einem Hashtag arbeitet man am besten auf einer offenen Plattform, wo kein unsichtbarer Algorithm für uns entscheidet, was wir sehen können.

Wenn man einem Hashtag folgt, sieht man alle anderen, die auch mit dem Hashtag posten, die also da sind, oder auch etwas Interessantes zum Thema beizutragen haben. Die erzählen dann, was sie da wollen, oder was sie generell wollen und woran sie arbeiten, und wenn man das interessant findet, kann gezielt zu ihnen gehen, sich persönlich treffen, und hat eine wertvolle Verbindung.

Nach dem Event kann man sich gegenseitig folgen. Damit erreicht man eine lose, aber trotzdem aktive Beziehung, die über Jahre existieren und wachsen kann. Das ist schließlich das Ziel beim Networking. Leute kennenlernen und Verbindungen aufbauen. Durch die persönliche Begegnung können diese Verbindungen sogar ohne weitere physische Nähe wachsen und echte, vertrauensbasierte Beziehungen werden.

Wenn man sich gegenseitig folgt – beim Event und auch danach – hat man Einblicke. Statt nur das Äußere einer Person zu sehen, erfährt man eine zusätzliche Dimension. Man sieht die Gedanken. Wenn das mit Offenheit gepaart ist, vernimmt man die wahren Kompetenzen, man schafft dadurch Vertrauen, man kann tatsächlich sogar als Mensch durch diese Verbindungen wachsen. Man macht Fehler, man lernt aus ihnen. Das Gegenteil vom Marketing passiert, man muss nicht immer perfekt erscheinen, und dadurch kann man so viel mehr machen.

Und deshalb hat man dann auch die Möglichkeit, von vielen Menschen zu hören, nicht nur denen, die natürlich laut sind und sich gern auf einer Bühne darstellen.

Und weil alle weniger auf Perfektion aus sind, können sie in diesen Beziehungen, die auf Vertrauen statt Wettbewerb basiert sind, selbstkritischer sein. Kritik ist da, weil nicht alles immer richtig ist. Aber wenn eine Verbindung auf persönlichen Kontakten basiert ist, gibt es Respekt. Man kann nur Troll sein, wenn man sich hinter einem Keyboard verstecken kann. Das Problem ist mit Events gelöst, hier kann sich keiner verstecken.

Wir alle brauchen doch eine digitale Präsenz, um unsere Arbeit ausführen zu können. Mit der man sich mit anderen Menschen verbinden kann, mit ihnen zusammen Projekte auf die Beine stellen und Dinge verändern kann. Je direkter diese digitale Präsenz mit unserer Identität verbunden ist, desto mehr können wir damit machen. Events sind der geeignete Nährgrund, diese Präsenz auf- und auszubauen, weil die besten Verbindungen immer noch auf der Basis einer persönlichen Begegnung wachsen.

Und das Marketing? Das funktioniert auch besser, weil es echt ist. Man muss sich keinen Content aus den Fingern saugen, oder ihn von Leuten kaufen, die weder von einem selbst, noch von dem, was man tut, eine Ahnung haben.

Und ja, niemand benutzt Twitter in Meck-Pomm. Aber es ist trotzdem so nützlich und bringt so viel mehr Wert, speziell zu Networking Events, dass man ja ganz einfach in kleinem Kreis anfangen kann und einem egal sein kann, was die Umwelt macht.

Kann man überhaupt ohne irgendeine digitale Dimension ein Netzwerk haben?

Wie würde ich es anfangen?

Ein gedankliches Experiment.

Wenn ich heute die Möglichkeit bekäme, als Beraterin in digitaler Entwicklung zu arbeiten, was wären meine Ratschläge?

Ich würde immer noch eine gut gepflegte, persönliche digitale Präsenz empfehlen.

Ich würde, wie auch in London, der Leitung des Unternehmens oder den Leitungsebenen einer Reihe von Unternehmen oder Organisationen einen Kurs in digitaler Vernetzung anbieten.

Ganz von vorn mit dem Aufbau einer digitalen Identität anzufangen, heißt, zu überlegen, an wen man sich mit seinen Worten und Inhalten wendet. Und ja, in diesem Land sind ist die breite Öffentlichkeit nicht sehr auf sozialen Netzwerken unterwegs.

Nichtsdestotrotz: Keine Organisation beschäftigt sich nur mit Kunden/Partnern aus diesem Land. Und: Eine sichere Stimme Online hilft auch außerhalb von Twitter und Co.

An wen soll man sich also richten? Die Frage ist: Wem vertraut man? Wen respektiert man? Wenn man mit seinen Inhalten das Ziel hat, vertrauensbasierte Verhältnisse aufzubauen, redet man anders, als ob man die blinde Masse anspricht.

Je breiter, desto flacher ist die Devise. Und umgekehrt: Je persönlicher, desto tiefgehender.

Man muss natürlich abschätzen können, wie weit wirkliche Offenheit möglich ist. Deshalb ist es bei einem veränderten Herangehen an Geschäftskommunikation wichtig, dass alle Ebenen der Organisation persönlich involviert sind.

In den meisten Organisation gibt es viel Raum für „Die neue Offenheit“, bevor man sich über Geschäftsgeheimnisse Sorgen machen muss.

Das Ziel dieser Offenheit sind vertrauensbasierte Beziehungen.

Der nächste Schritt wäre dann, Inhalte zu entwickeln. Das ist eigentlich nicht so schwierig, wenn man davon redet, was einem den Tag ausfüllt. Dann muss man auch lernen, zuzuhören, denn Beziehungen aufzubauen, heißt, mehr zuzuhören als selbst zu reden.

Dann geht es um technische Dinge wie Plattformen, die Form der Inhalte, das Bauen und Aufrechterhalten des Netzwerkes. Denn idealerweise wollen wir etwas Nachhaltiges aufbauen, das nicht am Ende des Kurses einschläft. Idealerweise soll der Kurs nur eine Grundlage bilden für ein Netzwerk, in dem Menschen sich und ihre Beziehungen weiterhin entwickeln können.

Die Ziele des Entwickelns einer solchen Online Identität:

  • Eine souveräne Stimme der Organisationsleitung im Internet, mit der sich potentielle Partner oder Interessenten verbinden können
  • Regelmäßiges Schreiben von Inhalten bedeutet eine persönliche Entwicklung für die Kursteilnehmer
  • Durch das Lesen und Teilnehmen an der Entwicklung anderer Menschen entwickelt man authentische Beziehungen, die bei der eigenen Entwicklung helfen
  • Je mehr Mitglieder einer Organisation eine sichere Online-Stimme entwickelt haben, desto besser ist die Organisation darin, über ihre Arbeit zu reden
  • Je mehr die Führung einer Organisation selbst im Internet präsent sind, desto weniger Angst gibt es davor, den Mitgliedern Unabhängingkeit und gut geleitete Freiheit zu geben
  • Je besser die Organisation vernetzt ist, desto besser kann sie ihren Partnern und Kunden mit gutem Beispiel vorangehen
  • Und schließlich: Vertrauensbasierte, nahe Beziehungen bedeuten bessere Geschäfte und mehr Spaß an der Arbeit für alle

Was ich will mit meinem Blog

Meine Online-Identität ist genau wie meine wirkliche. Im richtigen Leben möchte ich Menschen finden, die ich mag und die mich mögen, und online genauso.

Ich möchte Leute finden, die Echtheit, Ehrlichkeit im Online-Leben gut finden und es auch so halten.

Das klingt normal, aber seit ein paar Jahren heißt Blogging, irgendwelche Produkte, oder sich selbst, zu vermarketen. Social Media wird zwar jetzt hier auch mehr genutzt, aber nicht, um sich mit echten Menschen zu verbinden, sondern um Ziele zu erreichen. Followers, das heißt Aufmerksamkeit. Influence, das heißt Aufmerksamkeit von Agenturen, die eventuell mit Marketing-Abteilungen zusammenarbeiten, um jemand anders zu vermarkten, und von denen kriegt man dann Geld, wenn man sich genug Aufmerksamkeit verschafft hat, damit sie etwas davon abkriegen.

Wo Menschen nur Zielpublikum (oder nicht) sind, bin ich auch nur mein Geld oder meine Aufmerksamkeit oder nicht. Und das gilt, glaube ich, auch für andere Menschen, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Marketing durch Tricks, die zeitweilig Aufmerksamkeit erhaschen, wird schnell durchschaut.

Wo Menschen aber mehr sind als nur eine Nummer, bin ich auch gern mehr.

Jetzt ist die Frage. Gibt es Leute, die es hier auch so halten? Oder ist die gesamte Atmosphäre im Norden so kritisch, dass man es gar nicht kann? Muss man sich hinter Mauern verstecken, um ehrlich über das Auf und Ab zu schreiben, um zu sagen, dass man noch sucht und sich nicht sicher ist, oder wird man sofort verurteilt?

Unsicherheit ist eine der sympathischsten Eigenschaften. Weil es einfach keine Sicherheiten gibt. Jeder, der mit zuviel Sicherheit von sich und der Welt redet, ist einfach nur zu jung oder hat gerade ein Coaching gemacht. (Davon gibt es ja auch so einige.)

Das ist aber auch nicht das, was irgendjemand hilft. Je sicherer man sich ist, desto härter werden die Schläge sein, die einen dann irgendwann vom Podest hauen. Und es dauert Jahre, sich davon zu erholen, und leider teilt diese Erfahrungen niemand mit uns.

Also wenn jemand Tipps hat, wie man ehrliche Blogger trifft: Her damit.

In einem Teil von London, der sich etwas wie Berlin anfühlt (Crouch End), habe ich mal, vor 8 Jahren, das erste Tweetup organisiert – bevor Twitter sogar da zum Mainstream gehörte. Wenn ich mich wieder energetisch genug fühle, will ich so etwas hier machen. Das „Work Out Loud“ Tweetup, damit es keiner mit irgendwelchen Social Media Marketing meetups verwechselt.

Und warum? Damit andere Menschen, die nicht sonst nicht bloggen würden (weil sie ja keine jungen, selbstsicheren, ambitiösen Leute sind), von denen ich aber gern hören würde, es auch tun.

Wie immer ist das immer noch nur eine Idee und kann sich alles ändern.